Die Abnehmschule

Individuelle Wege zum Wohlfühlgewicht mit vernünftiger Ernährung und aktiver Lebensgestaltung

Emotionales Essen

Seit sich allmählich die Erkenntnis durchsetzt, dass Diäten und andere Formen der Kalorienrestriktion nicht oder jedenfalls nicht dauerhaft schlank machen, wird dem Phänomen des emotionalen Essens mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Emotionales Essen wird dabei in den meisten Fällen als problematisch betrachtet, als etwas, das es zu überwinden gilt.

Richtig ist, dass Essen ohne physischen Hunger dick macht. Richtig ist aber auch, dass Essen immer mit Emotionen verknüpft ist. Es gibt kein Essen ohne Emotionen. Es sind also nur bestimmte Aspekte des emotionalen Essens, die überwunden werden sollten.

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Die Menschheitsgeschichte (und die der Tiere) ist geprägt von der Tatsache, dass Essen nur unter großen Mühen zu beschaffen war. Die Belohnung für die Mühen waren und sind die angenehmen Gefühle, die das Essen auslöst. Aber eben auch die Tatsache, dass unangenehme Gefühle durch Essen beendet werden konnten und können. Die guten Gefühle beim und nach dem Essen waren und sind also die Belohnung für die Mühen der Essensbeschaffung, welche Form diese auch immer hatte und hat.

Da ist es kein Wunder, dass Essen auch heute noch angenehme Gefühle auslöst und unangenehme Gefühle beenden kann. Das ist nichts Negatives, nichts, was man ändern müsste.

Allerdings kommt in der heutigen Zeit etwas hinzu, was die Emotionen im Zusammenhang mit dem Essen dann doch problematisch erscheinen lässt.

Essensbeschaffung ist einfach

Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Beschaffen der Lebensmittel eine Aufgabe, die den ganzen Tag in Anspruch genommen hat und die dabei noch nicht einmal in jedem Fall erfolgreich verlief. Es musste einen Grund geben, warum man die ganzen Mühen auf sich nehmen sollte. Die guten Gefühle beim Essen, wenn der Hunger aufhörte, waren dieser Grund.

Heute ist die Essensbeschaffung ganz einfach. Im Supermarkt gibt es alles griffbereit und oft schon fertig zubereitet. Viele müssen sich noch nicht einmal diese Mühe machen, für sie reicht es aus, sich an den Tisch zu setzen und zuzugreifen. Die Belohnung, die angenehmen Gefühle beim Essen, die gibt es trotzdem noch. Und es bleibt viel Zeit, sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Eigentlich ein riesiger Fortschritt.

Während der Mensch jahrtausendelang alle Energie in die Essensbeschaffung stecken musste, geht das heute mit minimalem oder sogar ganz ohne Aufwand. Der Energiegehalt der Nahrung ist aber eher größer als früher. Es ist also kein Wunder, dass sich eine gewisse Neigung zum Übergewicht entwickelt hat.

Essen tut gut

Essen löst angenehme Emotionen aus, das ist keine Frage. Und es ist auch nicht nötig, das zu ändern. Denn der Genuss, den gutes Essen mit sich bringt, der macht nicht dick, sondern schlank. Wer sein Essen mit allen Sinnen genießt, also alle positiven Gefühle, die es mit sich bringt, zulässt und aufmerksam betrachtet, der isst gar nicht zuviel, sondern eher wenig, ausgewogen und nährstoffreich. Wer statt mit Genuss mit schlechtem Gewissen isst, der stopft allzu oft minderwertigen Kram zu schnell in sich hinein und isst davon dann noch zuviel. Genuss lohnt sich also in doppelter Hinsicht. Genuss ist angenehm, und er macht schlank.

Allerdings löst Essen noch eine ganze Reihe anderer Emotionen aus. Und es beendet unangenehme Emotionen. Und, was die Sache kompliziert macht, diese Zusammenhänge können durch Lernen verändert werden, sind im Normalfall durch Lernen verändert.

Hunger und andere Essensgründe

Wir essen, weil wir Hunger haben. Hunger ist das Signal des Körpers, dass er Nahrung braucht, die Aufforderung an uns, Essen zu beschaffen. Essen beendet den unangenehmen Zustand des Hungers, ist also angenehm. Wir essen aber auch noch aus einer ganzen Reihe von sonstigen Gründen, die alle mit Emotionen zu tun haben. Die meisten davon haben wir gelernt.

Essen als soziales oder gesellschaftliches Ereignis

Essen findet sehr oft in Gesellschaft statt. Wir essen, weil andere das auch tun, wir essen dann, wenn andere essen, wir essen, wenn andere uns zum Essen auffordern, wir essen das, was andere uns anbieten oder vorsetzen. Das gemeinsame Essen ist nicht nur ein Mittel, um den Hunger loszuwerden, es dient auch der Gemeinsamkeit, dem Gespräch, dem Miteinander. Beim Essen treffen sich die Familien und Freunde. Gesellige Anlässe beinhalten fast immer auch gemeinsames Essen. Gemeinsames Essen dient nicht nur der Beendigung des Hungers, sondern auch und sogar vor allem der Gemeinsamkeit. Das ist erstmal eine Tatsache, die allerdings mindestens zwei Seiten hat.

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Zum einen wird dadurch, dass wir bevorzugt mit anderen zusammen essen, das Essen auf die Mahlzeiten begrenzt. Es ist noch gar nicht so lange her, da wurde ausschließlich zu den Mahlzeiten, und dann eben gemeinsam, gegessen. Die Menschen waren schlank, obwohl sie nur selten ihr Essen selbst aussuchen konnten. Wer außerhalb der Mahlzeiten Hunger hatte, der musste eben warten, bis es wieder etwas gab.

Zum anderen bedeutet gemeinsames Essen natürlich auch, dass die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund gerückt werden. Wer zum Essen eingeladen ist, unterliegt einem gewissen Zwang zum Essen, auch dem, das zu essen, was angeboten wird. Die Höflichkeit gebietet, dem Gast eine zweite Portion anzubieten, sie gebietet auch, dass der Gast die zweite Portion essen sollte. Das eigene Essbedürfnis, der eigene Hunger treten als Signal in den Hintergrund. Das bedeutet unter anderem, dass das Essen einer sozialen Kontrolle unterliegt, die Exzesse erschwert. Wer nur in Gesellschaft essen kann, wird daran gehindert, nichts oder zu wenig zu essen, aber auch daran, zu viel zu essen. Das ist ein wichtiges Regulativ.

Heutzutage ist zu beobachten, dass immer häufiger alleine gegessen wird. Der früher übliche Rhythmus, der durch die Mahlzeiten vorgegeben war, ist heute nur noch für eine Minderheit relevant. Ganz viele müssen dann essen, wenn Zeit dazu ist, können auf der anderen Seite (fast) immer essen, sind durch nichts gebunden außer ihrem eigenen Essbedürfnis.

Diese Entwicklung geht mit einer vermehrten Tendenz zu Übergewicht einher. Die eigentlich natürliche Regulation des Essverhaltens durch Hunger und Sättigung scheint nicht so wirklich zu funktionieren. Stattdessen treten andere Ess-Gründe in den Vordergrund. Die alle mit Emotionen zu tun haben.

Stressessen

Die Beobachtung, dass man bei Stress mehr isst, als man sollte und wollte, dass man in der Situation auch noch vor allem kalorienreiche und nährstoffarme Nahrungsmittel bevorzugt, die haben schon viele gemacht. Haben sich vorgenommen, das beim nächsten Mal anders, besser zu machen und sind doch wieder in die gleiche Falle getappt. Was zusätzlich auch noch zu schlechtem Gewissen geführt hat. Unter Stress ist es besonders schwer, vernünftig zu essen. Der Grund dafür sind die Emotionen, die Essen auslöst und die Emotionen, die Essen beendet.

Stress ist unangenehm, Essen ist angenehm. Stress lässt sich also leichter ertragen, wenn man essen kann. Hinzu kommt, dass Stress den Energiebedarf des Gehirns erhöht. In der Folge isst man bevorzugt kohlenhydratreiche, also süße und fettige Nahrungsmittel. Was dann schnell neuen Stress und andere unangenehme Emotionen wie schlechtes Gewissen auslöst. Stress macht dick, das lässt sich kaum leugnen. Die Frage, wie man mit dem Stress umgehen soll externer Link, um eben nicht dick zu werden, ist deshalb wichtiger als die Frage nach der besten Diät.

Stressessen lässt sich nicht durch Diät oder Disziplin verhindern, man muss neue Verhaltensweisen lernen, man muss lernen, wie man mit dem Stress anders umgehen kann, wie man ihn reduzieren kann. Das kann man lernen. Und das macht schlank. Auch wenn es scheinbar nichts mit dem Übergewicht zu tun hat.

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Essen als Trost

Essen ist angenehm. Unglück, Einsamkeit, Trauer, Langeweile, Frust, Wut, Angst, und noch vieles andere mehr ist unangenehm. Es ist also kein Wunder, dass Essen als Trost wirkt. Man fühlt sich besser, wenn man zumindest essen kann. Das hat natürlich den Effekt, dass man in den entsprechenden Situationen eben isst, statt die zugrundeliegenden Probleme zu lösen. Und dann kommt als zusätzliche Emotion dieses Gefühl der Hilflosigkeit, des Ausgeliefertseins hinzu. Obwohl man es gar nicht will, kann man nicht anders als eben zu essen.

Das Gute daran ist, dass dieser Umgang mit den negativen Emotionen gelernt ist. Und wenn man etwas gelernt hat, dann kann man es auch wieder verlernen, kann etwas Neues, Besseres lernen. Man kann tatsächlich lernen, anders mit seinen Gefühlen umzugehen. Dann wird Essen als Trost überflüssig.

Wer nicht aufhören kann mit Essen, obwohl er weiß, dass er längst satt ist, dem hilft der Rat, weniger zu essen, nicht. Dem hilft auch keine Diät und keine Disziplin. Wer nicht aufhören kann mit Essen, dem hilft nur, nach den Gründen zu fragen und diesen Gründen nachzugehen.

Viele Übergewichtige haben das Problem, dass sie ihre eigenen Emotionen und Gefühle gar nicht mehr wahrnehmen. Sie merken zwar, dass sie zuviel essen, dass sie nicht aufhören können zu essen, aber sie wissen nicht, warum das so ist.

Lösungsansätze

Wenn Essen nicht Nahrung, sondern Trost ist, dann lösen Diäten oder Abnehmprogramme das Problem nicht. Ansätze zur Lösung fnden sich, wenn man in sich hineinhört, achtsam mit sich selbst umgeht, immer wieder versucht, seinen Gefühlen nachzugehen und ihnen einen Namen zu geben. Nicht jeder schafft das alleine. Im Gespräch mit Freunden, Leidensgenossen oder Helfern, in Selbsthilfegruppen, aber auch im Gespräch mit einem Therapeuten oder in einer Gruppentherapie, kann man es schaffen. Es gibt viele Möglichkeiten, einen angemesseneren Umgang mit den eigenen Gefühlen zu lernen.

Dazu gehört auch, Essen wieder zu genießen. Es nicht nur als Kalorienlieferant, nicht nur als Sünde zu betrachten. Sich wieder übers Essen zu freuen. Die positiven Emotionen, die das Essen auslöst, zu bemerken und zuzulassen.

Wer lernt, sich seinen negativen Emotionen zu stellen und die schönen Dinge im Leben wieder zu genießen, sich wieder über alles Angenehme zu freuen, der wird das Bedürfnis nach Essen, das immer mal wieder auftritt, aushalten können, ohne ihm immer sofort nachgeben zu müssen. Der wird bald herausfinden, dass es im Leben noch viele andere Dinge gibt, außer Essen.

Wer gelernt hat, dass viele Dinge Trost spenden können, dass man Probleme zumindest manchmal auch lösen kann, statt sie mit Essen zuzudecken, der wird feststellen, dass Essen gar nicht mehr so wichtig ist. Das macht schlank, ganz ohne Diät.

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