Viele low carb Diäten werden als Ernährungsform propagiert, die man lebenslang durchhalten können soll. Eine kohlenhydratarme Ernährung ist natürlich möglich, da Kohlenhydrate nicht essentiell sind, aber die Versorgung mit vielen Nährstoffen ist schwierig, wenn man sich sehr einseitig ernährt. Und abgesehen vom ernährungs- physiologischen Aspekt gibt es auch noch andere Argumente, die gegen eine solche Ernährungsform sprechen. Wer auf eine solche Vielzahl von Lebensmitteln verzichtet, arbeitet damit an seiner eigenen sozialen Ausgrenzung. Wenn das Ziel Gewichtsreduktion ist, dann ist dies mit Sicherheit kontraproduktiv.
Unter dem Begriff Low Carb Diäten werden verschiedene kohlenhydratarme Diäten zusmmengefasst. Dies sind zum Beispiel Diäten wie Atkins Diät, South Beach Diät, Zuckerknacker Diät, Scarsdale Diät, Montignac Diät, Max Planck Diät, LOGI Methode, Glyx Diät, ketogene Diät, aber auch jede andere Diätform, die durch eine einseitige Beschränkung der Kohlenhydratzufuhr gekennzeichnet ist.
Die konkreten Diät-Vorschriften unterscheiden sich, gemeinsam ist aber allen, dass die Ernährung kohlenhydratarm, eiweiß- und fettreich ist. Low Carb Diäten führen zu einer schnellen Gewichtsreduktion. Das macht sie sehr attraktiv für Übergewichtige, die abnehmen möchten.
Wie alle Diäten, so fordern auch Low Carb Diäten die strenge Einhaltung ihrer Diätregeln. So lange dies gelingt, sinkt auch das Gewicht. Das motiviert zum Weitermachen. Die Ernährungsform unterscheidet sich für die meisten Menschen radikal von ihrer bisherigen Ernährung. Das gibt vielen die Bestätigung, jetzt endlich das richtige zu tun. Eiweiß- und fetthaltige Lebensmittel sättigen sehr gut, so dass auch dieser Aspekt zufrieden stellt.
Außerdem gibt es zu fast jeder Diät, auch zu den Low Carb Diäten, einen Satz pseudo-wissenschaftlicher Behauptungen, die klar zu machen scheinen, dass diese Diät einfach funktionieren muss. Diese Behauptungen stammen noch nicht einmal immer von den Erfindern der jeweiligen Diäten, oft ist ihr Ursprung unklar. In jedem Fall erfüllen sie die Funktion von Glaubenssätzen, so dass jede Diät eine Anzahl überzeugter Anhänger hat.
Während einige Fette und Proteine essentiell sind, man also nicht darauf verzichten kann, sie mit der Nahrung zuzuführen, ist das bei Kohlenhydraten nicht der Fall. Der Körper kann Kohlenhydrate selbst herstellen. Ein Überleben ist also möglich, auch bei vollständigem Verzicht auf Kohlenhydrate. Der Umbau der anderen Nährstoffe zu Kohlenhydraten verbraucht noch einmal Energie, so dass die Wirkung der Diät dadurch noch verbessert wird.
Eine kohlenhydratarme Ernährung führt in den meisten Fällen zu einer schnellen Gewichtsreduktion. Langfristig hat diese Ernährungsform aber die Folge, die andere Diäten auch haben, man nimmt wieder zu. Für die dauerhafte Gewichtsabnahme ist diese Art Ernährung also schon unter dem Gesichtspunkt des Gewichthaltens nicht geeignet. Dazu kommen weitere Nachteile.
Eine Ernährungsform, die einseitig auf bestimmte Nährstoffe verzichtet, führt langfristig natürlich zu Mangelerscheinungen. Viele Mikronährstoffe sind an Kohlenhydrate und Ballaststoffe gebunden, bei einer kohlenhydratarmen Diät nimmt man zu wenig davon auf.
Die Einhaltung einer Diät, die von der üblichen Ernährungsweise stark abweicht, erweist sich zumindest langfristig als schwierig. Hinzu kommt, dass auch unabhängig von sozialen Gegebenheiten der Wunsch nach kohlenhydrathaltiger Nahrung im Laufe der Diät immer stärker zu werden scheint, bis es irgendwann zum Heißhungeranfall kommt.
Überleben ist auch ohne Kohlenhydratzufuhr möglich. Allerdings haben die meisten Menschen, zumindest langfristig, etwas höhere Ansprüche. Das Verbot einer ganzen Reihe von Lebensmitteln schränkt die Lebensqualität stark ein, unabhängig von einer möglichen Fehlernährung.
Auch wenn sie nicht essentiell sind, der Körper ist auf Kohlenhydrate angewiesen. Das Gehirn kann ohne Kohlenhydrate nicht funktionieren. Die Folge einer kohlenhydratarmen Ernährung ist also oft Unkonzentriertheit, Nervosität, Gereiztheit, manchmal auch Aggressivität. Aber auch die Muskulatur funktioniert besser, wenn als Brennstoff ein Mix aus Kohlenhydraten und Fetten verwendet wird, als wenn ausschließlich Fette zur Verfügung gestellt werden. Nicht nur die geistige, sondern auch die körperliche Leistungsfähigkeit wird durch eine low-carb
Ernährung eingeschränkt. Für Abnehmwillige, die ihren Erfolg mit Sport unterstützen wollen, kann das sehr frustrierend sein.
Bestimmte Formen der Low Carb Diäten werden zur Behandlung einer Reihe von Krankheiten verwendet, vor allem bei Kindern. Dies erfolgt unter ärztlicher Aufsicht und hat nichts mit Gewichtsreduktion zu tun. Die dort beobachteten Nebenwirkungen können allerdings auch bei Einhaltung einer kohlenhydratarmen Diät zu Gewichtsreduktionszwecken auftreten. So sind Nierenschäden möglich und eine Erhöhung der Blutfettwerte und Cholesterinspiegel kann auftreten. Auch erhöhte Harnsäurewerte sind möglich. In Folge zu geringer Ballaststoffaufnahme sind Verdauungsbeschwerden möglich.
Die Produktion von eiweiß- und fetthaltigen Nahrungsmitteln verbraucht mehr Ressourcen als die Produktion kohlenhydratreicher Nahrungsmittel. Eine kohlenhydratarme Ernährung ist also nur den Bewohnern der reichen Länder möglich. Es handelt sich um eine Luxus-Ernährungsform. In vielen armen Ländern ist auch heute noch Getreide das (fast) einzige Nahrungsmittel. Die Menschen, die sich so ernähren, haben weniger Probleme mit Übergewicht als die Bewohner der reichen Länder, bei denen kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Getreide eine eher untergeordnete Rolle spielen. Es erscheint also unwahrscheinlich, dass ausgerechnet die Getreideprodukte für das Übergewicht verantwortlich sein sollten. Außerdem wird die Ernährung der gesamten Menschheit wohl nur möglich sein, solange Getreide weltweit ein Hauptnahrungsmittel ist. Low carb protein shakes
und ähnliche Produkte können also immer nur die Ernährung der ohnehin schon Überernährten ergänzen.
Es ist also möglich, sich kohlenhydratarm zu ernähren, aber es ist Unsinn, zu fordern, dass das alle machen sollten. Auch das häufig verwendete Argument, dass die "natürliche" Ernährungsform des Menschen kohlenhydratarm sei, ist unter den vorliegenden Bedingungen hinfällig.
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