Die Abnehmschule

Individuelle Wege zum Wohlfühlgewicht mit vernünftiger Ernährung und aktiver Lebensgestaltung

Verbotene Lebensmittel

Abnehmen gelingt besser, wenn man gesunde, kalorienarme oder gut sättigende Lebensmittel isst. Da liegt es nahe, die besonders dickmachenden Sachen einfach aus dem Speiseplan zu streichen, sie zu verbieten.

Im Internet kursieren diverse Listen mit Lebensmitteln, die beim Abnehmen verboten sein sollen, oder manchmal wird auch umgekehrt ein garantierter Abnehmerfolg versprochen, wenn man auf bestimmte, konkret benannte Lebensmittel verzichtet. Diese Listen sind unterschiedlich lang, und sie enthalten die verschiedensten Lebensmittel, so dass der Abnehmwillige auch nicht unbedingt weiß, was er jetzt tun soll. Verwunderlich ist das nicht, denn es ist garnicht so einfach zu entscheiden, was denn nun dickmachende Lebensmittel sind und was nicht.

Außerdem handelt es sich teilweise um Allerwelts-Lebensmittel, die man nicht so einfach vermeiden kann, wenn man auch mal außer Haus oder in der Kantine isst, wenn man mal eingeladen wird oder mal unterwegs Hunger bekommt. Was ist jetzt, wenn man ein verbotenes Lebensmittel doch mal gegessen hat? War jetzt alles umsonst, oder was?

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Je nach zugrundeliegender Ideologie enthalten die Listen verbotener Lebensmittel vor allem fettreiche, oder auch vor allem kohlenhydratreiche Lebensmittel. Man kann es sich aussuchen, was man sich verbieten lassen möchte. Ein Kriterium, was warum verboten sein soll, sucht man vergebens. Tatsächlich kommt es nicht wirklich darauf an, was genau verboten ist. Auch selbstgesetzte Verbote erfüllen denselben Zweck, haben dieselben unerwünschten Nebenwirkungen. Es ist also egal, ob man sich etwas verbietet, oder ob man sich von anderen etwas verbieten lässt.

Hinzu kommt, dass es nicht ganz einfach ist, Lebensmittel einfach zu streichen. Man braucht Alternativen, etwas, was die entstehende Lücke füllt. Darüber verlieren die Verboten-Listen kein Wort, der Abnehmwillige kann sehen, wie er das löst. Es ist nicht immer ganz einfach.

Das Hauptproblem liegt aber in der Fokussierung der Aufmerksamkeit. Da gibt es zum Beispiel fünf Lebensmittel, die man niemals essen darf. Und schon denkt man ständig an diese fünf. Obwohl sie einen sonst garnicht so sehr interessiert hatten. Es ist wie mit dem rosa Elefanten. Versuchen Sie mal, jetzt nicht an einen rosa Elefanten zu denken. Genau, das ist das Problem.

Die meisten Menschen denken eher selten an rosa Elefanten, aber kaum sagt ihnen jemand, dass sie das jetzt nicht tun sollen, schon ist der Gedanke da. Genauso funktioniert das mit den verbotenen Lebensmitteln. Auch wenn sie einen sonst höchstens am Rande interessiert hatten, wird die Aufmerksamkeit jetzt genau auf die verbotenen Sachen gelenkt, die dadurch attraktiver werden als vorher. Es wird also schwerer, darauf zu verzichten, man wird diese Sachen eher öfter essen als ohne das Verbot.

Schon diese Argumentation macht klar, dass Verbote nicht zielführend sind. Hinzu kommt, dass Verbote unnötig sind. Man muss garnicht verzichten, auf garnichts. Man muss nur das richtige Maß von allem finden, was natürlich nicht unbedingt einfacher ist. Was aber auf Dauer durchgehalten werden kann, anders als Verbote.

Besser: Erlaubte Lebensmittel

Um die Ernährung zu verbessern, hilft es deutlich mehr, sich auf die Lebensmittel zu konzentrieren, die man ab jetzt öfter essen möchte, als auf die, die man nicht mehr, oder zumindest nicht mehr so oft essen möchte.

Denn um abzunehmen ist es weder notwendig noch zielführend, auf irgendetwas komplett zu verzichten. Zielführend ist dagegen, sich gesunde, kalorienarme oder gut sättigende Lebensmittel für die alltägliche Ernährung zu suchen und die anderen, die eher dickmachenden, seltener, nur noch zu besonderen Gelegenheiten zu essen. Das funktioniert besser als kompletter Verzicht.

Es gibt eine große Auswahl an gesunden, kalorienarmen und/oder gut sättigenden Lebensmitteln, aus denen man sich das aussuchen kann, was den eigenen Vorlieben am besten entspricht. Besser als eine Verbotsliste ist also eine Liste der bevorzugt zu essenden Lebensmittel. Vielleicht eine Liste der Lebensmittel, die man wenn möglich jeden Tag essen möchte. Es geht dabei nicht um alles oder nichts, man muss nicht ab jetzt nur noch bestimmte Lebensmittel essen und darf andere garnicht mehr essen, sondern man sollte einiges seltener oder in kleinerer Menge, anderes dafür jetzt öfter oder in größerer Menge essen. Eine solche Veränderung kann man auch nach und nach, Schritt für Schritt einführen, bis man mit dem neuen Mengen- und Häufigkeitsverhältnis zufrieden ist. Es muss nicht von jetzt auf sofort alles perfekt sein. So eine sukzessive Umstellung lässt sich durchhalten, das ist dann auf Dauer zielführend.

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Beispiel: Haferflocken statt Wurstbrot

Es ist günstiger für die Gewichtsreduktion, Haferflocken zu frühstücken, als Wurstbrot oder Nuss-Nougat-Creme. Haferflocken sind zwar nicht gerade kalorienarm, aber sie sind sehr gut sättigend, und sie versorgen mit einer großen Menge an notwendigen Nährstoffen. Haferflocken sind also richtig gut zum Abnehmen . Wer bisher Wurstbrot oder Nuss-Nougat-Creme zum Frühstück gegessen hat und sich jetzt Haferflocken angewöhnen möchte, der tut gut daran, über Haferflocken und ihre möglichen Zubereitungsweisen nachzudenken und möglichst nicht über Wurstbrote. Auch wenn es faktisch auf dasselbe hinausläuft, ist es für den Abnehmerfolg günstiger, über das Erlaubte, Erwünschte nachzudenken, als über das nicht so Erwünschte, das eher zu Vermeidende. Es spart Stress und es erleichtert die Umstellung, wenn man über das nachdenkt, was kommen soll, statt über das, was war. Das hat auch einen ganz praktischen Aspekt, schließlich muss man planen, sich überlegen, wie genau man es nun ab jetzt genau machen möchte.

Beispiel: Frittiertes

Frittieren ist eine Zubereitungsart, die sich für ganz viele Lebensmittel eignet, die einfach ist und schnell geht. Sie wird sehr häufig dort angewendet, wo es um die Verpflegung großer Menschenmengen geht. Wer also öfter mal in der Kantine, im fast-food-Restaurant oder am Schnellimbiss isst, der wird wahrscheinlich auch öfter mal Frittiertes essen. Es ist eine gute Idee, das möglichst selten zu tun, denn durch das Frittieren werden aus allen Lebensmitteln fette und ungesunde Kalorienbomben, egal was gerade frittiert wurde.

Es gibt eine Menge gute Alternativen zum Frittierten, so kann man statt Pommes frites Salzkartoffeln essen, man kann Fisch dünsten, Fleisch in wenig Fett und ohne Panade braten, undsoweiter. Aber alle diese Tipps funktionieren nur dann, wenn man sowieso zuhause isst. Und da wird man wahrscheinlich ohnehin nicht so oft frittieren, weil der Aufwand zu groß ist.

Auf Frittiertes zu verzichten, oder auch nur, es möglichst selten zu essen, bedeutet deshalb eine Lebensstiländerung. Seltener in der Kantine essen, sich stattdessen von zuhause etwas mitnehmen. Seltener am Imbissstand, im fast-food-Restaurant essen, sich statt dessen etwas anderes überlegen. Solche Veränderungen haben Konsequenzen. Es kann gut sein, dass ein Verbot von Frittiertem de facto bedeutet, dass Gespräche mit Kollegen und Freunden verboten werden. Wenn das so ist, kann man fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass das Verbot nicht eingehalten werden wird.

Mit solchen Tatsachen sollte man vernünftig umgehen. Niemand kommt mit dem Kopf durch die Wand, es ist notwendig und sinnvoll, Kompromisse zu machen. Man kann die Speisekarte der Kantine im Voraus lesen und nur noch drei- oder viermal in der Woche dort essen. Je nachdem, was es gibt. Damit kann man erreichen, dass man nur noch zwei- oder dreimal in der Woche Frittiertes isst, statt wie vorher fast jeden Tag. Man kann die Freunde nur noch jedes zweite Mal im fast-food-Restaurant treffen und ansonsten andere Orte vorschlagen oder eben auch andere Leute treffen. Wenn man sich Gedanken macht, wie sich Verbesserungen umsetzen lassen, dann findet man seine individuelle Lösung. Die lässt sich dann durchhalten, weil sie zum eigenen Leben passt. Das Verbot hätte keine Chance, weil es eben nicht passt.

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Beispiel: Weißmehlprodukte und Zucker

Es ist eine gute Idee, Produkte aus ausgemahlenem Mehl wie Brötchen und Kuchen und Süßigkeiten so selten wie möglich zu essen, aber es ist keine gute Idee, diese Lebensmittel ganz zu verbieten. Wer versucht, den Zucker von jetzt auf sofort ersatzlos zu streichen, wird wahrscheinlich scheitern. Heißhunger und Fressattacken sind häufige Folgen, wenn man zuviel auf einmal will. Besser ist, sich das Süße nach und nach abzugewöhnen, sich nach und nach darüber klar zu werden, wo alles Zucker drin ist. Sich nach und nach Gedanken zu machen, durch welche Alternativen man die ganzen zuckerhaltigen Lebensmittel ersetzen möchte.

Besser als weißes Mehl sind Vollkornprodukte, aber so mancher hat Probleme damit. Es schmeckt eben ganz anders, und auch das Gefühl im Mund ist ein anderes. Die Verdauung muss sich umstellen, was vorübergehend ein paar Anpassungsschwierigkeiten mit sich bringen kann. Statt sich das weiße Mehl ganz zu verbieten, sich also von jetzt auf sofort zu den Vollkornprodukten zu zwingen, ist es besser, nach und nach auszuprobieren, was es da alles gibt und wie man es zubereiten kann. Denn es gibt große Unterschiede, und man muss oft ein wenig suchen, bis man gefunden hat, was einem schmeckt. Wer sich damit Zeit lässt, kann auch davon ausgehen, dass sich die eigenen Geschmacksvorlieben mit der Zeit ändern werden. Was gestern noch fürchterlich geschmeckt hat, ist heute schon akzeptabel und morgen wird es lecker sein. Mit Zwang lässt sich das nicht erreichen, mit einer gewissen Gelassenheit schon.

Beispiel: Glutamat

Obwohl Glutamat natürlich kein Lebensmittel ist, sondern ein Eiweiß, das als Zusatzstoff, als Geschmacksverstärker verwendet wird, wäre es durchaus überlegenswert, sich diesen Stoff zu verbieten. Denn Glutamat verstärkt nicht nur den Geschmack, sondern auch den Appetit. Glutamat macht gefräßig und ist damit natürlich nicht so gut zum Abnehmen geeignet. Leider ist es sehr schwierig, wirklich konsequent auf Glutamat zu verzichten, denn es ist in fast allen industriell hergestellten Lebensmitteln enthalten, sofern sie nicht süß sind. Glutamat ist der am häufigsten verwendetet Zusatzstoff, wer ihn wirklich vermeiden möchte, muss wirklich zurück zu konsequent selbst hergestellten Lebensmitteln und Mahlzeiten. Man muss sich überlegen, ob man die Zeit dazu hat. Wenn nicht, sind Kompromisse besser als ständiger Stress. Es hilft, immer mal wieder ein Lebensmittel zu finden, dass frei ist von Zusatzstoffen.

Insgesamt sind Verbote also wenig zielführend. Viel besser ist, sich auf das Erlaubte, das Anstrebenswerte zu konzentrieren. Das ist positiv und fühlt sich viel besser an als Verbote. Das macht schlank.

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